Lo-Manthang
  Name tibetisch
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Das Land Lo

Das ehemalige, kleine Königreich Mustang, das als Upper Mustang politisch zu Nepal gehört, liegt im oberen Teil eines langen Tales im Himalaya unmittelbar an der Grenze zu Tibet. Der lokale Name des Königreiches ist Lho (Lo), wobei Lho das tibetische Wort für Süden ist, und seine Bewohner nennen sich Lowa. Sie sind ethnisch Tibeter, sprechen Lokye (eine Form des Tibetischen), praktizieren den tibetischen Buddhismus und leben noch gemäß alter tibetischer Traditionen. Die Königsfamilie und etwa 1.000 Lowa wohnen in der Hauptstadt Lo-Manthang, einer jahrhundertealten, vollständig von einer Stadtmauer umgebenen Siedlung auf 3.730 m Höhe. Das tibetische Wort Manthang heißt übersetzt etwa Ebene der Sehnsucht. Per Beschluß der Regierung in Kathmandu wurde dem König 2008 sein Titel aberkannt, jedoch hat sich dadurch bis jetzt an dem Respekt der Lowa gegenüber der Königsfamilie und ihrer Stellung innerhalb der Gemeinschaft nichts geändert.

In den Gebirgszügen des Mustang Himal, einem im Nordwesten von Lo gelegenen Teil des Himalaya, entspringt der Kali Gandaki. Er nimmt seinen Lauf durch das Königreich nach Süden, durch die tiefste Schlucht der Welt hindurch zwischen den beiden Achttausendern Dhaulagiri und Annapurna, durch Nepal, bis er schließlich in Indien in den Ganges mündet. Über die Pässe des Himalaya führen seit Jahrhunderten Karawanenwege, auf denen die Tiere Wolle und Salz aus Tibet nach Nepal transportierten und auf dem Rückweg Mehl, Reis, Kleidung und andere Waren nach Tibet hinauftrugen. Auch der Kali Gandaki bildete zugleich eine dieser alten Handelsrouten, die Salzstraße, weil hier vor allem die Salzkarawanen entlangzogen. Bis zu 9.000 t Salz wurden jährlich durch Lo transportiert. Die Lowa lebten von diesem Handel, von ihren Tieren und von der Landwirtschaft.

Im letzten Jahrhundert kam der Salzhandel jedoch zum Erliegen, da es in Nepal kaum noch einen Markt für das tibetische Salz gab. Hinzu kam dann noch die Schließung der Grenze nach der Besetzung Tibets durch China. So leben die Lowa heute hauptsächlich von der Viehzucht und der Landwirtschaft, wobei die Landwirtschaft in dieser Hochgebirgswüste nur mit Hilfe von künstlicher Bewässerung möglich ist.

Sowohl die harten klimatischen Bedingungen als auch die allgemeinen Veränderungen der Lebensbedingungen führen immer mehr dazu, daß viele Lowa während des Winters in tiefer gelegene Regionen Nepals ziehen und vor allem junge Leute auch nach Indien oder in andere Länder gehen, um dort Geld für ihre Familien dazuzuverdienen. Oft bleiben dann nur noch die Alten zurück, um sich um die Tiere und die Häuser zu kümmern.

Erst seit 1992 ist es Touristen offiziell erlaubt, das bis dahin ‚Verbotene Königreich‘ zu betreten. Dafür brauchen sie ein spezielles Permit, das gegen einen festgelegten, hohen Geldbetrag in Kathmandu erteilt wird.I